Archiv der Kategorie: BEHINDERUNG

(PFLEGE-)HILFSMITTEL OHNE ÄRZTLICHE VERORDNUNG

Ein Beitrag von: Der-Querschnitt.de.
Für wiedergehenlernen.com aufbereitet von katrin von wgl.


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Menschen mit Querschnittlähmung und Menschen mit Pflegestufe brauchen für Hilfsmittel und/oder Pflegehilfsmittel nicht mehr zwingend eine ärztliche Verordnung.

Empfehlung einer Pflegefachkraft genügt

In der häuslichen Versorgung genügt mitunter eine sogenannte Empfehlung einer Pflegefachkraft.

Vorteile

Die Fachkraft kennt das häusliche Umfeld meist besser als der behandelnde Arzt – und weiß, was zum selbstbestimmten Leben oder für die Pflege fehlt. Und die Betroffenen oder ihre Angehörigen sparen sich einen Arzttermin.

Das Gesundheits-Versorgungs-Weiterentwicklungs-Gesetz (GVWG)

Das GVWG erweitert seit Anfang 2022 die Zuständigkeiten von qualifizierten Pflegefachkräften. Wozu auch die Berechtigung gehört, zu bestimmen, welche Hilfsmittel, beziehungsweise Pflegehilfsmittel Menschen benötigen – sofern sie zuhause Pflegeleistungen erhalten.

Fachkräfte können nun Hilfsmittel beziehungsweise Pflegehilfsmittel empfehlen, die zur Linderung von Beschwerden beitragen, ein selbstbestimmtes Leben fördern oder schlichtweg die Pflege erleichtern.

Dazu zählen unter anderem:
– Bade- und Duschhilfen,
– Kranken- und Behindertenfahrzeuge,
– Krankenpflegeartikel,
– Lagerungs-, Mobilitäts- und Toilettenhilfen,
– Pflegehilfsmittel zum Verbrauch.

Lange Liste von Hilfsmitteln

Unter die neue sogenannte Vermutungsregelung fällt eine Vielzahl an (Pflege-)Hilfsmitteln. „Vermutungsregelung“ bedeutet, dass bei diesen Produkten vermutet werden darf, dass sie notwendig sind für die Versorgung eines Menschen mit Pflegegrad.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) und Pflegekassen hat die gesetzlichen Regelungen in neuen Richtlinien konkretisiert.
In den Anhang der Regelungen wurde auch eine detaillierte Auflistung aller Hilfs- und Pflegehilfsmittel eingearbeitet, die nun auf Empfehlung genehmigt werden können.

Unterlagen zum Downloaden

Die Richtlinien der Hilfsmittel-Liste sowie Anhang I – das Formular für die Empfehlung der Pflegefachkraft zum Ausfüllen – für ein Hilfsmittel/Pflegehilfsmittel stehen hier als PDF-Datei zum Download zur Verfügung.

  • Dok01 > Richtlinie zur Empfehlung von (Pflege-)Hilfsmitteln durch Pflegefachkräfte
  • Dok02 > Anhang I zu Dok01 > Empfehlung der Pflegefachkraft zum Ausfüllen.

Im Dokument Hilfsmittel-Richtlinie (Dok01…) werden auf den Seiten 16 bis 30 die Hilfs- bzw. Pflegehilfsmittel genannt, für die eine Empfehlung ausgesprochen werden kann.  

Weitere Dokumente zum Herunterladen

  • Dok03 > Hilfsmittel-Rahmenempfehlungen
  • Dok04 > Hilfsmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Verordnung von Hilfsmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung

Genaue Prüfung des Bedarfs

Sind entsprechende Hilfsmittel bereits im Haushalt vorhanden, muss zunächst geprüft werden, ob diese nicht angepasst oder repariert werden können.
Denn, so der GvK*, das Recht der Kranken- beziehungsweise Pflegekasse auf eine Prüfung der Wirtschaftlichkeit bleibt – und ein Vetorecht bei „offensichtlicher Unrichtigkeit der Empfehlung durch die Pflegefachkraft“ gibt es auch.

Bisheriger Ablauf der Genehmigung für (Pflege-)Hilfsmittel

Bisher benötigten Betroffene mit Bedarf an (Pflege-)Hilfsmitteln eine Verordnung eines Fach- oder Hausarztes. Im Rahmen der Pflegebegutachtung gaben (und geben immer noch) der Medizinische Dienst (MDK) oder die von der Pflegekasse beauftragten Gutachterinnen und Gutachter konkrete Empfehlungen zur Hilfsmittel- und Pflegehilfsmittelversorgung ab. Dies kommt einem Antrag auf diese Leistungen gleich.

Schneller und einfacher

Nun können auch Pflegefachkräfte während ihres Einsatzes im häuslichen Umfeld des Betroffenen konkrete Empfehlungen zur Hilfsmittel- und Pflegehilfsmittelversorgung abgeben, womit laut Bundesgesundheitsministeriums „eine zusätzliche Prüfung der Notwendigkeit der Versorgung durch die Pflege- oder Krankenkasse“ entfällt.

„Diese Regelungen dienen der Vereinfachung des Antragsverfahrens, damit die Versicherten wichtige Hilfsmittel zur Förderung ihrer Selbstständigkeit schneller und einfacher erhalten.“

Etwas Bürokratie bleibt

Wer eine entsprechende Empfehlung der Pflegekraft seines Vertrauens erhalten hat, muss diese binnen zwei Wochen an den Leistungserbringer weiterleiten. Dies kann zum Beispiel eine Apotheke oder ein Sanitätshaus sein.

Der Leistungserbringer stellt dann bei der Kranken- oder Pflegekasse den entsprechenden Antrag. Innerhalb von drei Wochen sollte dann das Okay für den kommen.

Konkrete Beschreibung des Bedarfs

Damit alles reibungslos klappt, sollen die Fachkräfte möglichst konkret und ausführlich beschreiben, in welchen Situationen das Hilfsmittel benötigt wird.

Regelung nur für Pflegebedürftige in häuslicher Versorgung

Die Regelung gilt nur im Rahmen einer häuslichen Versorgung von Pflegebedürftigen. Ganz konkret und ausschließlich bei:

  • häuslicher Pflege nach § 36 SGB XI (Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5 haben bei häuslicher Pflege Anspruch auf körperbezogene Pflegemaßnahmen und pflegerische Betreuungsmaßnahmen sowie auf Hilfen bei der Haushaltsführung als Sachleistung),
  • häuslicher Krankenpflege nach § 37 SGB V (Grund- und Behandlungspflege sowie hauswirtschaftliche Versorgung, meist für bis zu vier Wochen),
  • außerklinischer Intensivpflege nach § 37c SGB V sowie
  • Beratungseinsätzen nach § 37 Absatz 3 SGB XI

Nur qualifizierte Fachkräfte dürfen Empfehlung aussprechen

Grundsätzlich dürfen nur Fachkräfte eine Empfehlung aussprechen, die nach dem Pflegeberufegesetz qualifiziert sind. Sie benötigen keine neue Zusatzqualifikation.

Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWK)
Externe Seite: Bundesministerium

Richtlinien zur Empfehlung von Hilfsmitteln und Pflegehilfsmitteln durch Pflegefachkräfte gemäß § 40 Absatz 6 SGB XI GKV-Spitzenverband
Externe Seite: GKV Spitzenverband


Menschen mit Behinderung im Krankenhaus

Ein Beitrag von Familienratgeber.de

Für viele Menschen mit Behinderung ist eine Behandlung im Krankenhaus mit Problemen verbunden.

Oft gibt es in den Krankenhäusern zu wenige Pflegekräfte. Die meisten Ärzt*innen und Pfleger*innen sind nicht ausgebildet für die Behandlung von Menschen mit Behinderung.
Und nur wenige Kliniken sind ausreichend barrierefrei.

Probleme gibt es auch, wenn Menschen mit Behinderung eine Begleitperson für den Aufenthalt im Krankenhaus benötigen. Das soll sich jetzt ändern.

Worauf sollten Menschen mit Behinderung achten, wenn sie ins Krankenhaus müssen? Gibt es Krankenhäuser die auf die Behandlung von Menschen mit Behinderung spezialisiert sind? Diese und andere Fragen beantwortet der folgende Text auf Familienratgeber.de.

Menschen mit Behinderung im Krankenhaus

ÜBERGANGSPFLEGE IM KRANKENHAUS

Nach einem Aufenthalt im Krankenhaus ist nicht selten eine Folgeversorgung nach dem Pflegeversicherungsgesetz notwendig.

Dazu gehören Leistungen wie häusliche Pflege, Kurzzeitpflege oder Reha-Maßnahmen.

Keine Angst vor der Zeit nach der Klinik

Können diese nicht oder nur unter erheblichem Aufwand sichergestellt werden, kommt die Übergangspflege ins Spiel. Betroffene können sie in der Klinik, in der sie behandelt werden, maximal zehn Tage in Anspruch nehmen.

Quelle: AOK Gesundheitsmagazin Frauen 02/2022

wieder gehen lernen, in kleinen schritten geht es voran, 2022 - das neue fusshebersystem innoStep ist beantragt

Das (neue) Fußhebersystem

Gut Ding braucht Weil…

Und weil das „Ding“ in diesem Fall so besonders und so besonders gut ist, hat es etwas länger geweilt.

Im Oktober 2021 hat mein geliebtes WalkAide* seine wundervollen Dienste eingestellt. Für mich mit spürbaren Folgen: Ohne das Gerät bin ich gehunfähig und müsste einen Rollstuhl benutzen, um vorwärts zu kommen.

Glücklicherweise habe ich bis zur Beschaffung eines Neugerätes ein Leihgerät. Denn so klein der Kasten auch ist, für mich wäre die Alternative der Rollstuhl.

Das menschliche Gehirn – Eine geniale Erfindung!

Wieder gehen lernen mit Hirnverletzung und Paresen, das menschliche gehirn und seine funktionen, definiert nach rechts und links
Das menschliche Gehirn mit seinen seitenrelevanten Funktionen

Zehn Jahre habe ich das WalkAide getragen. Was zunächst gedacht war, um wieder gehen zu können, hat sich schnell als viel mehr erwiesen als „nur“ eine elektronische Gehhilfe.
Mein gesamtes Bewegungsbild hat sich verbessert. Dank des WalkAide haben sich in meinem Gehirn zum einen bereits vorhandene, jedoch unfallbedingt zerstörte Synapsen wieder erholt und es haben sich neue Synapsen gebildet.

Das wunderbare WalkAide

Ein weiterer nicht vorhersehbarer Effekt ist die Überlagerung der Grundschmerzen. Seit dem Unfall befindet sich mein linkes Bein in einem Dauerschmerz. Nachdem ich ab 2015 lindernde Schmerzmittel bekomme sind diese erträglich geworden. Bei Überlastung oder falschen Bewegungen sind diese Schmerzen wider spürbar. Dann kann ich mithilfe des WalkAide die Stärke der elektrischen Impulse so regulieren, dass die Impulse den Beinschmerz überlagern.

Die Impulse durch das WalkAide sind auch schmerzhaft. Als würde frau (man natürlich auch) an einen dieser mit Strom gesicherten Zäune fassen. Je höher der Impuls am WalkAide eingestellt wird, umso stärker der Schmerz.

Zwei FES-Systeme – eine Funktion

Wieder gehen lernen mit Hirnverletzung und Paresen, das elektronische Fusshebersystem WalkAide
Das WalkAide
Wieder gehen lernen mit Hirnverletzung und Paresen, das elektronische Fusshebersystem innoStep - eine weiterentwicklung des walkaide
Das neue FES*
*Fußhebersystem

Von angenehmen und von unangenehmen Schmerzen

Da sich der „Stromschmerz“ wesentlich angenehmer anfühlt als der Schmerz im Bein, ist es eine dankbare Möglichkeit, durch Aktivieren der Stromimpulse die Beinschmerzen zumindest für kurze Momente zu überlagern. Der Grundschmerz im Bein fühlt sich schwer und schwarz an. Als würde ein Tonnengewicht am Bein hängen. Nach zehn Minuten in diesem Schmerzzustand bin ich derart erschöpft, dass ich tagelange Bettruhe benötige, um wieder zu Kräften zu kommen.

Selbst dass ansonsten so zuverlässige Schmerzpflaster, welches laut Definition um ein Hundertfaches stärker als Morphium sei, versagt seine treuen Dienste, sobald sich die Beinschmerzen bemerkbar machen.

VORSICHT! BEGLEITPERSON!

Bei jedem Besuch einer medizinischen oder öffentlichen Einrichtung prangen an den Türen kleine oder größere Zettel mit dem Hinweis, dass Begleitpersonen nicht mit hinein dürfen. So ähnlich wie Plakate mit dem Hinweis, Hunde dürfen nicht mit hinein.

Die Begleitperson: Gefahr für`s Land!

Falsche Maßstäbe

Der Grund für die Begleitpersonen-Verbote: Sie werden als Corona-Risiko eingestuft. Nur zur Erinnerung: In den Fußballstadien hocken hunderte wenn nicht gar tausende Fans auf einen Haufen, nicht selten ohne Maske!

Falsche Zielgruppe

Völlig überzogen wird ein Verbot definiert für Menschen die im Alltag auf Unterstützung angewiesen sind. Es handelt sich um EINE EINZELNE Person!

Ich verstehe ja, dass es schwierig ist, eine einzelne Person zu überprüfen auf ihren Impfstatus. Da ist es doch um ein vielfaches leichter, hunderte oder mehr Fans in ein Fußballstadion zu lassen.

Auch Omikron findet es nicht gut, dass Begleitpersonen behandelt werden, als wären sie verantwortlich für die Ausbreitung der Epidemie